Digitale Podiumsdiskussion. Pressefreiheit: (k)ein Thema für Europa?

Poster_HomepageGefangenes Wort e.V. lädt gemeinsam mit der Fachjournalistik Geschichte (JLU Gießen) und dem ZMI (JLU Gießen) zur digitalen Podiumsdiskussion am Tag der Pressefreiheit ein. Inwiefern die Pressefreiheit und die Einschränkung dieser auch ein Thema für die europäische Presselandschaft – insbesondere der britischen und österreichischen – ist, wird in der digitalen Veranstaltung diskutiert werden. Es wird um den Einfluss der Boulevardmedien auf den demokratischen Meinungsbildungsprozess gehen sowie die jeweiligen Angriffe auf öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten wie die BBC bzw. den ORF. Ferner wird es auch darum gehen, welche Rolle Whistleblower spielen, ein prominentes Beispiel wäre hier der australische Journalist und WikiLeaks Gründer Julian Assange. Hierzu haben wir verschiedene Podiumsgäste eingeladen: Nina Horaczek (Falter), Friedbert Meurer (Deutschlandradio) und Dr. Rubina Möhring (Reporter ohne Grenzen, Österreich). Moderiert wird die Veranstaltung von Ulrike Weckel (Professorin für Fachjournalistik Geschichte, JLU).

Die Veranstaltung wird am 3. Mai über Zoom stattfinden und beginnt um 19:30 Uhr.

https://us02web.zoom.us/j/89910326717?pwd=MkdZZ0gxTDZPM2xMQzU2aHZ6RUhKQT09

Meeting ID: 899 1032 6717 / Passcode: 784321

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

 

Zensiert! Die Geschichte der Meinungsfreiheit (ZEIT GESCHICHTE 2/21)

Zeit-Geschichte Zensiert CoverNoch nie konnten so viele Menschen ihre Meinung öffentlich äußern wie heute im Zeitalter der sozialen Medien, noch nie war die Freiheit so grenzenlos. Trotzdem wächst das Gefühl, bei bestimmten Themen nicht frei sprechen zu können – weil der »Mainstream« zu mächtig, die Kritik zu hasserfüllt ist. Mehr als 150 überwiegend amerikanische Intellektuelle beklagen im Juli 2020 eine »Atmosphäre von Zensur« in den Debatten – mit »schweren Vergeltungsmaßnahmen« für diejenigen, die sich »vermeintliche sprachliche oder gedankliche Entgleisungen« leisten. Neu ist daran, dass der Liberalismus nicht nur von rechts unter Druck gerät; auch linke Protestbewegungen erheben ihre Moral zum Dogma. Und wie frei ist die Meinung, wenn es Internetriesen wie Twitter sind, die entscheiden, welcher Lautsprecher vom Netz genommen wird?
Das ZEIT-Geschichte-Heft zeigt, dass die Meinungsfreiheit in ihrer langen Geschichte stets bedroht und umkämpft war – auch dort, wo sie als Grundrecht geschützt wurde. Verfassungsgarantien erzeugen noch keine Toleranz. In den USA musste die freie Rede immer wieder vor Gericht erstritten werden. Das Deutsche Kaiserreich versprach die Freiheit der Presse, aber »Majestätsbeleidigung« wurde hart bestraft. Selbst die DDR gestattete offiziell die freie Meinung – sofern sie der Arbeiter-und-Bauern-Ideologie entsprach.
Letztlich hat jeder Überwachungsstaat eine Tendenz zur Selbstzerstörung, denn oft macht erst die Zensur das Zensierte attraktiv. So war es für viele Schriftsteller höchst ehrenvoll, auf dem Verbotsindex der katholischen Kirche zu stehen. Und heute? »Das wird man doch noch sagen dürfen«, posaunen die einen, so als gäbe es den Zensurstaat wirklich. »Das darf man so nicht sagen«, diktieren die anderen, als könnten Sprechverbote das Unrecht dieser Welt heilen. Wir werden beides aushalten. Bedroht wird die Meinungsfreiheit durch etwas anderes. In Bedrängnis gerät ihr Fundament: der Konsens, was als Fakt gilt und was nicht. Problematisch ist nicht die Armut an Meinungen, sondern die Vielfalt an sogenannten Wahrheiten, die jede Debattenkultur zersetzt. Wer sich auf die freie Rede beruft, um sie durch Lügen zu untergraben, steht nicht unter Schutz. Eine wehrhafte Demokratie muss mit dem Missverständnis aufräumen, dass die Meinungsfreiheit grenzenlos ist. Das war sie nie.

ZEIT GESCHICHTE 2/21 Zensiert! Die Geschichte der Meinungsfreiheit
Erscheinungsdatum: 23.03.2021
7,50 €

Nidzara Ahmetasevic vorübergehend inhaftiert

Nidzara Ahmetasevic ist eine bosnische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin, die über die Situation von Migranten und Flüchtlingen in Bosnien und Herzegovina arbeitet und seit 2015 Menschenrechtsverletzungen und Gewaltaten auf der Balkan-Route dokumentiert. Erst vor kurzem wurde sie aufgrund anhaltender Bedrohungen und Einschüchterungen, denen sich in Bosnien lebende JournalistInnen und MenschenrechtsaktivistInnen vermehrt ausgesetzt sehen, als Human Rights Defender  aufgenommen. Am 06.03. wurde sie nun willkürlich in Sarajevo für mehrere Tage festgenommen, wie frontlinedefenders hier berichtet.

Trauer um Katja Behrens

Wir sind tief traurig über den Tod von Katja Behrens. Die Autorin verstarb am Abend des 6. März. Sie war eine frühe Unterstützerin katja_behrensunseres Vereins und gab den Anstoß für die Gründung von Gefangenes Wort. Ihren Leitspruch “Wer lesen will, muss dafür kämpfen, dass andere Schreiben dürfen.” haben wir auch zu unserem gemacht. Mit ihr verlieren wir eine wichtige Schriftstellerin und Kämpferin für die Meinungsfreiheit.

Unsere Kolumne: Unpublizierte Kurzgeschichte als Beleidigung

In diesem Monat haben wir uns dem Schicksal der iranischen Schrifstellerin und Menschenrechtsaktivistin Golrokh Ebrahimi Iraee gewidmet, die seit 2014 für eine unpublizierte Kurzgeschichte verfolgt wird und seitdem mehrfach inhaftiert wurde. Den Artikel finden Sie hier

 

 

Gefangenes Wort unterstützt Stipendium für Bobomurod Abdullaev

Usbekischer Journalist kommt erneut als Nothilfe-Stipendiat nach Deutschland

(c) Reporter ohne Grenzen / RSF

(c) Reporter ohne Grenzen / RSF

Der usbekische Journalist Bobomurod Abduallev musste aus seiner Heimat flüchten und ist seit Ende Januar dieses Jahres Nothilfe-Stipendiat von Reporter ohne Grenzen. Gefangenes Wort beteiligt sich an der Finanzierung des zunächst auf vier Monate angelegten Stipendiums mit einem Betrag von 4000,00 €. Abdullaev war bereits von November 2019 bis Februar 2020 im Rahmen eines Stipendiums in Berlin, nachdem er zuvor über 15 Jahre lang kritische Berichte über das Regime des früheren usbekischen Staatspräsidenten Islom Karimov veröffentlicht hatte. Zudem berichtete er immer wieder über Korruption und illegale Waffengeschäfte des Karimov-Clans sowie über die massive Unterdrückung der politischen Opposition.

Nachdem sein Pseudonym Ende des Jahres 2017 aufgedeckt wurde, verhafteten ihn usbekische Sicherheitskräfte unter dem Vorwand, er habe zum gewaltsamen Regierungsumsturz aufgerufen. Nach seiner Freilassung nutzte Abdullaev seinen Aufenthalt in Berlin, um an einem Buchprojekt zu arbeiten und eine Video-Fortbildung zu absolvieren. Doch als er im März 2020 nach Kirgisien ging, wurde er festgenommen und nach Usbekistan abgeschoben. Dort wurde er erneut in einem fragwürdigen strafrechtlichen Verfahren angeklagt. Zwar wurde das Verfahren später eingestellt, doch Abdullaev fühlt sich in seiner Heimat nicht mehr sicher. Über die Türkei konnte er 2021 nach Deutschland kommen, wo er nun erstmal in Sicherheit leben und arbeiten kann. Gefangenes Wort ist glücklich, sich an dem Stipendium für Bobomurod Abdullaev substantiell beteiligen zu können und damit einen mutigen und investigativen Journalisten zu unterstützen, der sich trotz aller Schikanen nicht mundtot machen lässt.

Prozess gegen Meşale Tolu geht weiter

Gestern ist der Prozess in Istanbul gegen die deutsche Journalistin Meşale Tolu weitergegangen. Der Vorwurf gegen die Journalistin kurdischer Herkunft: “Terrorpropaganda” und “Mitgliedschaft in einer Terrororganisation”. Sie ist nur eine von mehr als 200 Medienschaffenden, die in den letzten viereinhalb Jahren wegen ihrer Arbeit in türkischen Gefängnissen saßen. Reporter ohne Grenzen fordert, Tolu endlich freizusprechen.

Russischer Journalist bei Studioaufnahme verprügelt

Der russische Journalist Ruslan Totrov war am 21. Januar im Studio, um einen Videoblog aufzunehmen. Da drangen zwei Männer ein und verprügelten ihn. Sie drohten ihm mit Mord, sollte er nicht mit seiner Berichterstattung stoppen. Die Angreifer identifizierte Totrov als Mitglied des regionalen Verteidigungsministeriums und einem Vertrauten des Präsidenten der Region. Das Committee to Protect Journalists fordert die Aufklärung des Falls und bietet weitere Informationen.

Der Kampf gegen die Desinformation durch die russische Regierung

Vladimir Sevrinovsky bereiste als unabhängiger Journalist alle 85 Regionen Russlands und berichtet über soziale und kulturelle Missstände Russlands, zuletzt über die Pandemie im Land. Während er dabei noch relativ frei arbeiten konnte, war das bei seinen Kollegen nicht der Fall. Von diesen Schwierigkeiten und seiner Arbeit erzählt er in einem Interview mit dem Committee to Protect Journalists.