Gerbergasse 18-Themenheft “Zensur” (Ausgabe 2/2021)

Cover_GG18_H99Wo beginnt Zensur und wo wird sie mit dem Schutz von Grund- und Menschenrechten oder der Anwendung des Strafrechts verwechselt? Die komplexen Debatten um die Phänomene Identitätspolitik, kulturelle Aneignung und eine sogenannte Cancel Culture haben zuletzt gezeigt, wie dünn die gegenseitige Toleranz oftmals ausgebildet ist und wo die demokratische Diskussionskultur an ihre Grenzen stößt. Ehemals ein Herrschaftsinstrument, um Widerspruch und abweichende Meinungen mundtot zu machen, richtet sich der Zensurvorwurf inzwischen – meist pauschal – gegen alle und jeden. Passend dazu behaupten ganze Gruppen: „Das ist ja wie in der DDR!“, um sich gegen die Corona-Schutz-maßnahmen zu wehren oder die Bericht-erstattung „der Medien“ insgesamt zu ächten. Gefährlich und schief sind solche Vergleichs-maßstäbe nicht zuletzt, weil damit das tatsächliche Ausmaß von SED-Unrecht verharmlost und die gesellschaftliche Sehschärfe gegenüber Extremismus gemindert werden. Im Themenschwerpunkt ZENSUR der aktuellen „Gerbergasse 18“ werden historische Fälle geschildert, die aber auch den Blick auf die Gegenwart schärfen möchten.

Gerbergasse 18, H. 99 (2/2021)
3,50 €

Stimmen der Hoffnung. Aufzeichnungen, Gedichte, Texte der Belarussischen Freiheitsbewegung

Stimmen der Hoffnung_CoverDie Rufe nach Freiheit, die im August 2020 in Belarus begannen, haben nicht nur eine bunte und vielfältige Protestkultur hervorgebracht, sondern setzten ungewöhnliche Energien auch in künstlerischer Hinsicht frei. In den sozialen Netzwerken und bei den Protesten kursierten Reden, Erzählungen, Traumprotokolle und Gedichte. Plötzlich hatten die eine Stimme, die sonst nur schweigen durften. Stimmen der Hoffnung sammelt diese Stimmen und. macht sie durch Übersetzung auch hierzulande sichtbar. Der Band vereint Texte aus dem vielfältigen Kreis der Protestierenden in Belarus – professionelle Autoren und Menschen, die das während der Proteste Erlebte spontan schriftlich ausgedrückt haben. Ausgewählt werden Texte von denen, die an den Protesten aktiv teilgenommen haben, auch aber von denen, die das Geschehen von zu Hause aus unterstützt haben. Der Band dokumentiert die Stimmen von Menschen, die es wagen, gegen autokratische Verhältnisse für die Freiheit und die Demokratie aufzustehen. Inzwischen ist die Protestbewegung massiv unter Druck geraten. Zwischen den Stimmen der Hoffnung stehen Berichte von Protestierenden, die von der Staatsmacht verhaftet und festgesetzt, zum Teil auch misshandelt wurden. Aber auch sie ließen sich nicht mundtot machen. Sie erzählen ihre Geschichten.

Alina Lisitzkaya (Hrsg.): „Stimmen der Hoffnung. Aufzeichnungen, Gedichte, Texte der belarusischen Freiheitsbewegung“
Zweispachige Ausgabe
Verlag: Das Kulturelle Gedächtnis
22 €

Exklusives Interview von Gefangenes Wort mit Bobomurod Abdullaev

Bobomurod Abdullaev (© Reporter ohne Grenzen/RSF)

Bobomurod Abdullaev (© Reporter ohne Grenzen/RSF)

Im Zuge der Recherche zur Juli-Kolumne hatten wir die Gelegenheit, ein schriftliches Interview mit dem usbekischen Journalisten Bobomurod Abdullaev zu führen, der derzeit in Deutschland im Exil lebt. An dieser Stelle veröffentlichen wir das vollständige Interview, wobei wir Bobomurod Abdullaev ausdrücklich für seine Zustimmung hierfür danken möchten.

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Unsere Kolumne: Pseudonym durch fatalen Fehler aufgeflogen

Im Juli stellen wir in unserer monatlichen Kolumne das Schicksal des usbekischen Journalisten Bobomurod Abdullaev vor, der 15 Jahre lang das Regime des autoritär regierenden Präsidenten Islom Karimov kritisierte, indem er seine Artikel unter einem geheimen Pseudonym veröffentlichte. Nachdem seine Tarnung aufgeflogen war, musste er fliehen. Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

Digitale Podiumsdiskussion. Pressefreiheit: (k)ein Thema für Europa?

Poster_HomepageGefangenes Wort e.V. lädt gemeinsam mit der Fachjournalistik Geschichte (JLU Gießen) und dem ZMI (JLU Gießen) zur digitalen Podiumsdiskussion am Tag der Pressefreiheit ein. Inwiefern die Pressefreiheit und die Einschränkung dieser auch ein Thema für die europäische Presselandschaft – insbesondere der britischen und österreichischen – ist, wird in der digitalen Veranstaltung diskutiert werden. Es wird um den Einfluss der Boulevardmedien auf den demokratischen Meinungsbildungsprozess gehen sowie die jeweiligen Angriffe auf öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten wie die BBC bzw. den ORF. Ferner wird es auch darum gehen, welche Rolle Whistleblower spielen, ein prominentes Beispiel wäre hier der australische Journalist und WikiLeaks Gründer Julian Assange. Hierzu haben wir verschiedene Podiumsgäste eingeladen: Nina Horaczek (Falter), Friedbert Meurer (Deutschlandradio) und Dr. Rubina Möhring (Reporter ohne Grenzen, Österreich). Moderiert wird die Veranstaltung von Ulrike Weckel (Professorin für Fachjournalistik Geschichte, JLU).

Die Veranstaltung wird am 3. Mai über Zoom stattfinden und beginnt um 19:30 Uhr.

https://us02web.zoom.us/j/89910326717?pwd=MkdZZ0gxTDZPM2xMQzU2aHZ6RUhKQT09

Meeting ID: 899 1032 6717 / Passcode: 784321

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

 

Zensiert! Die Geschichte der Meinungsfreiheit (ZEIT GESCHICHTE 2/21)

Zeit-Geschichte Zensiert CoverNoch nie konnten so viele Menschen ihre Meinung öffentlich äußern wie heute im Zeitalter der sozialen Medien, noch nie war die Freiheit so grenzenlos. Trotzdem wächst das Gefühl, bei bestimmten Themen nicht frei sprechen zu können – weil der »Mainstream« zu mächtig, die Kritik zu hasserfüllt ist. Mehr als 150 überwiegend amerikanische Intellektuelle beklagen im Juli 2020 eine »Atmosphäre von Zensur« in den Debatten – mit »schweren Vergeltungsmaßnahmen« für diejenigen, die sich »vermeintliche sprachliche oder gedankliche Entgleisungen« leisten. Neu ist daran, dass der Liberalismus nicht nur von rechts unter Druck gerät; auch linke Protestbewegungen erheben ihre Moral zum Dogma. Und wie frei ist die Meinung, wenn es Internetriesen wie Twitter sind, die entscheiden, welcher Lautsprecher vom Netz genommen wird?
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Nidzara Ahmetasevic vorübergehend inhaftiert

Nidzara Ahmetasevic ist eine bosnische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin, die über die Situation von Migranten und Flüchtlingen in Bosnien und Herzegovina arbeitet und seit 2015 Menschenrechtsverletzungen und Gewaltaten auf der Balkan-Route dokumentiert. Erst vor kurzem wurde sie aufgrund anhaltender Bedrohungen und Einschüchterungen, denen sich in Bosnien lebende JournalistInnen und MenschenrechtsaktivistInnen vermehrt ausgesetzt sehen, als Human Rights Defender  aufgenommen. Am 06.03. wurde sie nun willkürlich in Sarajevo für mehrere Tage festgenommen, wie frontlinedefenders hier berichtet.

Trauer um Katja Behrens

Wir sind tief traurig über den Tod von Katja Behrens. Die Autorin verstarb am Abend des 6. März. Sie war eine frühe Unterstützerin katja_behrensunseres Vereins und gab den Anstoß für die Gründung von Gefangenes Wort. Ihren Leitspruch “Wer lesen will, muss dafür kämpfen, dass andere Schreiben dürfen.” haben wir auch zu unserem gemacht. Mit ihr verlieren wir eine wichtige Schriftstellerin und Kämpferin für die Meinungsfreiheit.

Unsere Kolumne: Unpublizierte Kurzgeschichte als Beleidigung

In diesem Monat haben wir uns dem Schicksal der iranischen Schrifstellerin und Menschenrechtsaktivistin Golrokh Ebrahimi Iraee gewidmet, die seit 2014 für eine unpublizierte Kurzgeschichte verfolgt wird und seitdem mehrfach inhaftiert wurde. Den Artikel finden Sie hier

 

 

Gefangenes Wort unterstützt Stipendium für Bobomurod Abdullaev

Usbekischer Journalist kommt erneut als Nothilfe-Stipendiat nach Deutschland

(c) Reporter ohne Grenzen / RSF

(c) Reporter ohne Grenzen / RSF

Der usbekische Journalist Bobomurod Abduallev musste aus seiner Heimat flüchten und ist seit Ende Januar dieses Jahres Nothilfe-Stipendiat von Reporter ohne Grenzen. Gefangenes Wort beteiligt sich an der Finanzierung des zunächst auf vier Monate angelegten Stipendiums mit einem Betrag von 4000,00 €. Abdullaev war bereits von November 2019 bis Februar 2020 im Rahmen eines Stipendiums in Berlin, nachdem er zuvor über 15 Jahre lang kritische Berichte über das Regime des früheren usbekischen Staatspräsidenten Islom Karimov veröffentlicht hatte. Zudem berichtete er immer wieder über Korruption und illegale Waffengeschäfte des Karimov-Clans sowie über die massive Unterdrückung der politischen Opposition.

Nachdem sein Pseudonym Ende des Jahres 2017 aufgedeckt wurde, verhafteten ihn usbekische Sicherheitskräfte unter dem Vorwand, er habe zum gewaltsamen Regierungsumsturz aufgerufen. Nach seiner Freilassung nutzte Abdullaev seinen Aufenthalt in Berlin, um an einem Buchprojekt zu arbeiten und eine Video-Fortbildung zu absolvieren. Doch als er im März 2020 nach Kirgisien ging, wurde er festgenommen und nach Usbekistan abgeschoben. Dort wurde er erneut in einem fragwürdigen strafrechtlichen Verfahren angeklagt. Zwar wurde das Verfahren später eingestellt, doch Abdullaev fühlt sich in seiner Heimat nicht mehr sicher. Über die Türkei konnte er 2021 nach Deutschland kommen, wo er nun erstmal in Sicherheit leben und arbeiten kann. Gefangenes Wort ist glücklich, sich an dem Stipendium für Bobomurod Abdullaev substantiell beteiligen zu können und damit einen mutigen und investigativen Journalisten zu unterstützen, der sich trotz aller Schikanen nicht mundtot machen lässt.

Prozess gegen Meşale Tolu geht weiter

Gestern ist der Prozess in Istanbul gegen die deutsche Journalistin Meşale Tolu weitergegangen. Der Vorwurf gegen die Journalistin kurdischer Herkunft: “Terrorpropaganda” und “Mitgliedschaft in einer Terrororganisation”. Sie ist nur eine von mehr als 200 Medienschaffenden, die in den letzten viereinhalb Jahren wegen ihrer Arbeit in türkischen Gefängnissen saßen. Reporter ohne Grenzen fordert, Tolu endlich freizusprechen.